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Fresko in der Kirche Santa Maria Novella - Florence - Foto: wmc

Ketzer –Unruhestifter des Glaubens

Meister Eckhart und 
das Brennen der Seele in Gott

Teil 09

Weil seine deutschen Predigten 
zur Ketzerei verleiten hätten 
können, eröffnete der Erzbischof von Köln ein Inquisitionsverfahren gegen den Meister.

Meister Eckhart stammte aus Thüringen und schloss sich in jungen Jahren dem Orden der Predigerbrüder in Erfurt an. Seine Ausbildung führte ihn von Erfurt nach Köln und Paris. Nach seinen Studien- und Lehrjahren in Paris, dem damaligen geistigen Zentrum, wurde er Prior des Erfurter Dominikanerklosters und Vikar von Thüringen. 1302/03 lehrte er in Paris, was ihm den Titel Magister, Meister, einbrachte. 1303 wurde er in Erfurt zum Provinzial gewählt, in der Folge war er für mehrere Klostergründungen verantwortlich. 1311–1313 lehrte er neuerdings am nichtfranzösischen Dominikanern vorbehaltenen Lehrstuhl in Paris. Anschließend wirkte er als Prediger und Vikar in Straßburg und am Oberrhein, wo er auch Frauenkonvente visitierte. Seine Reisen legte er gemäß den Regeln der Dominikaner zu Fuß zurück.

Lese- und Lebemeister

Der Ordensmann war berühmt und als Prediger und Seelsorger, in den Ämtern seines Ordens und als Theologieprofessor und Philosoph hoch angesehen und beliebt. Zeitgenossen rühmten ihn als „Lese- und Lebemeister“. Zweimal wurde er von seinem Orden auf den Pariser Lehrstuhl für Theologie entsandt, soviel Ehre wurde vor ihm nur Thomas von Aquin (1225–1274) zuteil.

Von Ordensbrüdern angezeigt

Ab etwa 1324 lehrte und predigte Eckhart in Köln. Ordensbrüder denunzierten ihn beim Erzbischof wegen angeblich häretischer Glaubensaussagen. Heinrich II. von Virneburg leitete daraufhin ein Inquisitionsverfahren gegen den berühmten Theologen ein. Der Erzbischof hatte sich einen Ruf als Ketzerbekämpfer verschafft in der Verfolgung von Beginen und Begarden, die er am Scheiterhaufen verbrennen oder im Rhein ertränken ließ. Im Verfahren gegen Eckhart wurden Listen mit beanstandeten Auszügen aus seinen lateinischen und deutschen Werken und Predigten vorgelegt. Eckhart verfasste dazu seine Rechtfertigungsschrift und appellierte an das päpstliche Gericht. Er reiste nach Avignon, wo aus dem Inquisitionsverfahren ein Zensurverfahren wurde. 1327 kam es in seiner Anwesenheit zur Anhörung vor der päpstlichen Theologenkommission über 28 beanstandete Aussagen.

Eckharts Tod

Eckhart starb wahrscheinlich Anfang 1328 in Avignon oder auf der Heimreise noch vor dem fatalen Ende seines Verfahrens. Der in Avignon residierende Papst Johannes XXII. (1316–1334) verurteilte 1329 mit einer Bulle siebzehn Sätze Eckharts als häretisch und elf als häresieverdächtig. Eckharts Werk geriet dadurch in Verruf und Vergessenheit. Nur wenige hatten nach dem Urteil den Mut zur Beschäftigung damit, einer von ihnen war Nikolaus von Kues (1401–1464). Eckharts Schriften wurden erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt.






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