© Foto: Cineglobal

Ein Vater und sein Sohn arbeiten in einem Luxushotel in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad. Die latente Rivalität zwischen beiden schlägt in offene Eifersucht um. - Foto: Cineglobal

Ein Mann, der schreit

Die Menschen nennen Adam „Champion“. Dabei schwingt viel Respekt mit, auch ein wenig liebevolle Ironie, denn Adam ist seit 30 Jahren Bademeister in einem Luxushotel in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad. Die Zeiten als zentralafrikanischer Schwimmmeister sind lange vorbei.

Als erster Film aus dem Tschad fand „Un homme qui crie“ von Mahamat-Saleh Haroun 2010 den Weg in den Wettbewerb von Cannes. Der Rhythmus ist getragen, an mancher Stelle ein wenig zu kunstfertig gedehnt. Bis auf wenige emotionale Ausschläge bleibt der Regisseur auf Abstand zu den Figuren, was die Parabelhaftigkeit der Geschichte unterstreicht. In langen Einstellungen erzählt der Film eine tragische Vater-Sohn-Geschichte vor dem Hintergrund des Bürgerkriegs. Abdel arbeitet als Assistent seines Vaters.

Der Krieg scheint weit weg von der Hauptstadt und den dortigen Sorgen. Die gibt es auch: Das Hotel wird privatisiert, Abdel wird Bademeister, während sein Vater altersbedingt den Posten des Schrankenwärters bekommt. Der „Champion“ fühlt sich degradiert und neidet seinem Sohn dessen Jugend. Der Konflikt ist vorprogrammiert; der Vater verrät seinen Sohn. Abdel wird in den Kampf gegen die Rebellen an die Front gezwungen: Der Bürgerkrieg ist plötzlich im Herzen der Familie, im Wohnzimmer angekommen. Auch wenn die Geschichte sehr einfach konstruiert ist und das Handeln der Figuren mitunter marionettenhaft vorherbestimmt wirkt, bleibt doch ein wesentlicher Effekt: Langsam dringt einer der vergessenen Bürgerkriege in Afrika ins Bewusstsein. In Cannes wurde der Film mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Julia Teichmann, FILMDIENST