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Ein gutes Stück deutsch-türkischer Filmgeschichte, das gerade ob der aktuellen Lage ein bisschen Hoffnung auf Konsolidierung spendet. Die herrlich kunterbunte Familie reißt universal emotional mit. - Foto: Filmladen

Almanya

 

„Was sind wir denn jetzt, Türken oder Deutsche?“, fragt Cenk seine kunterbunte Familie. Wenn die nämlich zusammentrifft, dann wird gegessen und geredet, dann werden Geschichten erzählt, und die eigene Identität wird in allen ihren Facetten ausgeleuchtet. Das ist genau, wo Yasemin Samdereli ansetzt und allem Anschien nach aus dem Nähkästchen plaudert. Sie lässt drei Generationen einer deutsch-türkischen Familie so dreidimensional auf der Leinwand erscheinen, dass man am liebsten von den Kinositzen weg einheiraten möchte.

Da ist der Großvater, ein Patriarch der alten Schule, dessen Wort gilt – nur nicht vor seiner Ehefrau. Diese wiederum setzt alles daran, um endlich eingebürgert und „Deutsche“ zu werden. Deren vier Kinder mit ihren jeweiligen Familien gehören genauso zum Gesamtpaket wie die beiden Enkelkinder, die der besondere Stolz der Großeltern und Fokus des Geschehens sind.

Der Film bietet pfiffige, zugleich tiefgründige und emotionale Dialogsequenzen und Schauspieler, die das Publikum in ihre ganz eigene Welt hi-neinziehen. Als der Großvater alle Mitglieder der Familie in einen Bus in die Türkei zu einem Abstecher in die Familiengeschichte verfrachtet, steigert sich die Dichte der Erzählung analog zur Enge im Bus. Dabei rückt Yasemin Samdereli die Universalität dieser Familie in den Vordergrund und macht die Differenzen zwischen Immigrant(inn)en und Einheimischen beinahe vergessen. Das ist neben unglaublich gutem Drehbuch und herrlichen Lachern der eigentliche Verdienst dieses Streifens.

Karoline Zobernig

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