© Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Christa Carina Kokol - Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Wie Oma wohl im Himmel aussieht?

MUTWORTE

Während ein Psychiater seinem Patienten verschiedene Fragen stellt, antwortet dieser mit unpassenden Gegenfragen: „Welche Farbe hat ein Kühlschrank von innen?“ „Weiß“, antwortet der Arzt. „Und was trinkt die Kuh?“ „Milch natürlich“, ist der Psychiater leicht genervt. Doch der Patient lacht: „Nein, die Kuh gibt Milch, trinkt aber Wasser.“

Und wie hätten Sie, liebe Lesende, geantwortet? Vermutlich ähnlich wie ich und der Psychiater … Die Szene stammt aus dem beeindruckenden Bühnenstück „Honig im Kopf“ um einen demenzkranken Menschen und sein nahes Umfeld – basierend auf dem gleichnamigen Film von Hilly Martinek und Til Schweiger. Besonders berührend ist ein Gespräch zwischen dem dementen Großvater und seiner Enkelin, die beim Gedanken, dass ihr geliebter Opa einmal sterben muss, sehr traurig wird. Doch dieser ruft lachend: „Das ist überhaupt nicht traurig, ich bin schon gespannt, wie Oma im Himmel aussieht!“ Die Enkelin wischt sich die Tränen weg und überlegt: „Ich glaube nicht an den Himmel und so, aber dass Opa mich aufheitern will, weil er mich so lieb hat, ist schon total cool.“

Szenenwechsel am Ende des Stückes: Opa liegt im Sterben, die Enkelin sitzt tief betroffen neben ihm und streichelt seine Hände: „Opa“, flüstert sie, „du hast mich so lieb, du wirst gemeinsam mit Oma gut auf mich schauen.“ Und auf einmal tut sich der Himmel auf … Liebe macht nicht blind, sie lässt tiefer und weiter sehen.

Christa Carina Kokol ist dipl. psychosoziale 
Beraterin in Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor E. Frankl. Foto: Neuhold




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