© Gerd Neuhold, SONNTAGSBLATT

P. Anselm Grün - Gerd Neuhold, SONNTAGSBLATT

Was Geschwister in Rauch aufgehen lassen

Natürlich bin ich von meinen Geschwistern der Bekannteste. Aber das Gefühl, im Kreis meiner Geschwister zu sein, bewahrt mich vor der Gefahr, abzuheben … Ich frage mich, was die Bedingungen sind, dass sich Geschwister auch nach dem Tod der Eltern gut verstehen. Eine Voraussetzung ist die Demut. Demut heißt nicht, sich kleinzumachen, sondern mit beiden Füßen auf der Erde zu stehen. Jeder hat seine Begabung. Keiner erhebt sich über den anderen.

Solange sich Geschwister vergleichen, sind sie nie zufrieden. Jeder lebt sein Leben. Es ist wichtig, einander zu würdigen, anstatt sich zu vergleichen.

Manche werden zum Opfer ungerechter Behandlung in der Familie. Das tut weh. Aber wir dürfen nicht in der Opferrolle bleiben. Denn sonst geht von uns eine aggressive Energie aus.

Verzicht aufs Nachtragen: Es ist wichtig, all die alten Konflikte und Missverständnisse zu begraben. Das könnte mit einem persönlichen Ritual verbunden werden. Alle Geschwister können für sich aufschreiben, was sie als Verletzungen durch die Eltern oder durch die anderen Geschwister erfahren haben. Wenn sie wollen, können alle es vor den anderen vorlesen. Aber es wäre auch möglich, das Geschriebene gemeinsam zu verbrennen, ohne es vorher noch einmal zu lesen. Es macht auch Spaß, wenn man die Vergangenheit gleichsam in Rauch aufgehen lässt. Die Asche kann man dann vergraben und einen Versöhnungsbaum für die Familie darüber pflanzen.

Auszüge aus dem Buch „Geschwisterbande. Eine ganz besondere Beziehung“ von Anselm Grün (Vier-Türme-Verlag, bene!). Der Autor ist Benediktiner in Münsterschwarzach. Foto: Neuhold




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