Hubert Gaisbauer

Mehr als Hunde, 
die sich beargwöhnen

Angelo Giuseppe Roncalli machte weder als Erzbischof noch als Papst aus seinen Schwächen je ein Hehl. In den Briefen und im „Geistlichen Tagebuch“ kam er immer wieder selbstkritisch darauf zu sprechen. Zäh und ausdauernd – aber nicht immer erfolgreich – kämpfte er an gegen seinen unterdrückten Ehrgeiz, gegen die Angst vor Krankheit und Schmerzen, gegen sein Übergewicht und vor allem gegen seine Redseligkeit. Letztere empfand er wohl selbst auch als Kehrseite seiner charismatischen und spontanen Kontaktfreudigkeit.

„Um einander zu verstehen“, sagte er einmal, „um einander lieben zu können, muss man sich vor allem zuerst einmal kennen. Solange man einander fernsteht, kann man sich höchstens – wie zwei Hunde – beargwöhnen. In jedem Menschen kann es eine unangenehme und ungefällige Seite geben, es gibt aber immer auch mindestens drei gute und erhebende Seiten.“

Kein anderer Text von Johannes XXIII. fand so weite Verbreitung wie die sogenannten „Zehn Gebote der Gelassenheit“. Solo per oggi – nur für heute. „Nur für heute will ich mir ein genaues Programm vornehmen. Auch wenn ich mich nicht daran halten werde – ich werde den Tag planen. Ich werde mich besonders vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.“ Einmal empfahl er seiner Nichte Enrica, die sich in einer Krise befand, immer „eins nach dem anderen zu tun, aber gut, mit Aufmerksamkeit, vor allem mit großer Ruhe“.

Aus dem Tyrolia-Buch „schonungslos zärlich. Menschen – Bilder – Gedanken“ von Hubert Gaisbauer. Der Publizist und Autor war Ö1- und Ö3-Mitbegründer. Foto: privat




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