Ferdinand Karer

Langsam geht es nicht mehr ums Sammeln

Noch einmal gehe ich den Weg (von Oberösterreich nach Rom) im Zeitraffer. Wie wunderbar … durch Gegenden, in denen eigentlich immer geerntet wurde. Ein Weg der Fruchtbarkeit. Es wächst so viel, die Natur schenkt, gebärt, gibt sich uns. Und wir, was machen wir damit?

Es geht in diesem Leben nicht um ein Mehr und um ein noch Mehr. Es geht vielmehr darum, dass alle ganz einfach leben dürfen. Und den Sinn im Leben gibt nicht die füllende Sattheit. Sie macht dumm und träge. Leben wir aus der Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die ihren Ursprung in der Barmherzigkeit hat! Leben wir als Menschen, nicht als Jäger und Sammler!

Damit haben wir angefangen, aber schön langsam müsste uns die Evolution, von der wir ja so überzeugt sind, sagen, dass wir einen Schritt weitergegangen sind. Es geht nicht mehr ums Sammeln, es geht ums Leben, und Leben erfahren wir dort, wo wir anderes Leben zulassen, wo nicht unser eigenes Leben der Mittelpunkt ist.

Besondere Erfahrungen machen wir, wenn wir das Du in die Mitte stellen. Wir merken, wie gut es dem Du tut, und wir merken, wie gut es uns tut, Anerkennung zu schenken. „Du gehörst dazu“ (Joachim Wanke). Jemandem auf die Schulter klopfen, die Hand geben – und sie durchaus um eine Spur länger halten, jemandem Aufmerksamkeit schenken, jemandem zuhören, jemanden anschauen: Das sind alles Gesten der Barmherzigkeit. Nicht „Ich lebe für mich allein“, sondern „Ich bin Diener dieses Lebens“.

Aus dem Buch „Gehen und staunen. Mein Pilger-
weg nach Rom“ von Ferdinand Karer, Tyrolia-
Verlag. Der Autor, geboren 1959, ist Gymnasial-
direktor und Oblate des heiligen Franz von Sales in Dachsberg, Oberösterreich. Foto: Karer




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