Clemens Sedmak

beziehung

GEGLÜCKTES LEBENClemens Sedmak

Am Ende ihres berührenden Buches „Es wird mir fehlen, das Leben“ steht Ruth Picardie angesichts ihrer unheilbaren Krebserkrankung im Endstadium vor der Aufgabe, einen kurzen Abschiedsbrief an ihre zweijährigen Zwillinge Joe und Lola zu schreiben. Können wir uns vorstellen, wie schwer diese Aufgabe ist? Ruth schreibt einen Brief für Joe und einen für Lola. Sie schreibt beiden: Du bist das Beste, was mir und Daddy passiert ist. Ich werde dich für alle Zeit und länger lieb haben. Ruth spricht jedes Kind auf seine Persönlichkeit an. So erfahren wir, dass Joe am Daumen lutscht… Wir lesen, dass Lola Marienkäfer liebt… Ruth schreibt beiden Kindern: Dich loszulassen ist das Schlimmste.

Diese kurzen Briefe scheinen schier unausschöpfbar. Leben ist das Beste, was in unserem Leben passieren kann… Kinder sind eigenständig, haben von Anfang an Charakterzüge und Vorlieben, sind nach dem bekannten Wort „Gäste, die nach dem Weg fragen“, aber doch viel mehr, Stück von uns selbst, auch unsere Gastgeber im Haus des Lebens, in diesem Haus, in dem wir uns trotz aller Stürme und Unwetter einzurichten suchen.

Meine Kinder sind sieben, viereinhalb und eineinhalb Jahre alt. Magdalena sagte als kleines Kind „alleine nur“, wenn man ihr helfen wollte, Gabriel bemerkte angesichts des Vorwurfs, frech gewesen zu sein: „Ich bin nicht frech, ich bin witzig“, Jonathans Wortschatz beschränkt sich auf „Mama, Papa, Traktor“. Es sind wunderbare Kinder, die gerade deswegen auf den Nerven ihrer Eltern herumspazieren, selbstständig, unberechenbar und als Trio eine explosive Mischung.

Sie sind entscheidender Teil dessen, was das Leben ihrer Eltern zu einem geglückten Leben machen könnte.