Anton Gölles

beziehung

ERNSTFALL LIEBE

Acht Kinder nannten unsere Eltern ihr Eigen und betrachteten sie dennoch nicht als ihr Eigentum. Das würde auch dem Gedanken eines Geschenkes widersprechen, als das ein jedes von uns angenommen worden war. Nur „angeschaffte“ Kinder werden als Eigentum betrachtet und oft auch entsprechend erzogen. Wenn wir uns an unsere Kindheit zurückerinnern, können wir nichts anderes tun als in Dankbarkeit ausbrechen. Diese erstreckte sich vor allem auf die ausgewogene Art von Strenge und Güte, mit der wir aufgezogen worden waren.

Wollte man die Erziehungsstile grob in autoritäre und antiautoritäre einteilen, wäre der Stil unserer Eltern eindeutig zu den autoritären zu zählen. Die Autorität kam aber aus ihnen selbst, sie brauchten dazu keine Hilfsmittel wie etwa Schläge. Ein Blick genügte, und wir wussten, was zu tun war bzw. wie wir uns zu benehmen hatten…

Heutzutage werden Kinder meistens gar nicht beim Namen genannt, sondern mit Schatzi, Liebling und ähnlichem Pudding gerufen. Ich halte das für nicht richtig. Das Kind wird dadurch nicht als Mensch mit einem eigenen Namen ernst genommen, sondern muss sich als Objekt zum Zweck der Befriedigung des Liebesbedürfnisses der Eltern fühlen. Unsere Eltern taten immer nur das, was für das Kind von Nutzen war, nicht für den momentanen Augenblick, sondern im Hinblick auf eine Zukunft, die jedes von uns einmal selbst meistern musste. Deshalb wurden wir von klein auf als Menschen und nicht als Spielzeug behandelt. Auch als Kleinkinder hatten wir den vollen Namen ohne Verkleinerungsversuche. Ich war immer der Toni, natürlich oststeirisch gefärbt auf Tauni, aber nie der Taunerl…

Aus: „Ernstfall Liebe“ von Anton Gölles, 
zu beziehen beim Autor: Tel. 0664/
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