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Am Bildungspodium. Josef Zollneritsch, Bernhard Rinner, Moderator Klaus Höfler, Journalist bei der „Presse“, und Hannes Androsch, der genügend Unterschriften hat, um das geplante Bildungsvolksbegehren einzuleiten (von links). 
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Nachdenken über Bildung

Akademie bezieht Position. Ein Unterschriftensammler unterwegs.

In doppelter Treue zu Gott und den Menschen fühlt sich die Katholische Aktion (KA) besonders zu Fronleichnam motiviert, „öffentlich zu werden“, wie es Präsident Hans Putzer in seiner Einstimmung zur KA-Fronleichnamsakademie ausdrückte. Viel Publikum aus der Politik und viele kirchliche Vertreter, mit Diözesanbischof Egon Kapellari an der Spitze, stellten sich am Mittwoch vor dem Feiertag einer Debatte, die wie kaum eine zweite in Österreich auf der Stelle tritt.

„Bildung ist etwas, das nicht das Monopol einer Konfession oder einer Partei ist“, erklärte Hannes Androsch, Vizekanzler a. D., der in letzter Zeit vor allem als „Unterschriftensammler“ in Erscheinung trat. Sein Wunsch und die Schlussfolgerung seines Impulsreferates: Bildung verlange einen nationalen Schulterschluss, wenn sich etwas verändern soll. 
In den folgenden Statements von Bernhard Rinner, Bildungreferent der ÖVP, und dem Pädagogen Josef Zollneritsch, Leiter des Arbeitskreises Schule der KA, wurden aber wieder vor allem die schon lange bekannten Eckpunkte der Diskussion klargestellt. Ein Beispiel dazu: Die ÖVP will nicht davon abweichen, dass „das Gymnasium erhalten bleibt“; Zollneritsch spricht sich als Fachmann einmal mehr für die gemeinsame Schule der 4- bis 16-Jährigen aus. Er kann auf Erfolge und Studien in anderen Ländern verweisen. Bildung wird also mit Sicherheit auch in Zukunft ein beliebter Tummelplatz für alle Parteien bleiben.

Argumente, teils sehr allgemeine Absichtserklärungen und ein Schlagabtausch: Klaus Höfler von der Grazer Redaktion der „Presse“ moderierte eine rege Diskussion, in der sich alle einig waren, dass Österreich eine Bildungsoffensive braucht. Wie sie ausschauen soll, darüber ist wohl kaum sehr bald eine Einigung zu erwarten. Eine Frage formulierte Hans Putzer: „Wenn verschränkte Ganztagsschulen zum Regelfall werden, was heißt das für die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit der katholischen Kirche?“

Mit dem aktuellen Bildungsvolksbegehren sollte die Diskussion eine neue Dynamik bekommen. Nach der Veranstaltung konnten Interessenten noch ihre Unterschrift abgeben.

gisela remler