von Herbert Meßner

Zeichen derSolidarität wider das Vergessen

Die Österreichische Bischofskonferenz setzt ein Zeichen und hält ihre diesjährige Herbstsession im Heiligen Land ab. Die Menschen dort brauchen Zeichen der Solidarität, das Gefühl, trotz ihrer ständigen politischen Probleme nicht im Stich gelassen zu sein. Wenn Pilger ausbleiben, ist es schlecht für die Menschen im Land, seien sie Juden oder Palästinenser.

Die Christen brauchen erst recht ein Zeichen der Solidarität. Nicht nur in Israel, auch in der Osttürkei und im Irak, im Libanon und in Syrien sind es gerade die orientalischen Christen, die sich vergessen fühlen und in politischen und nationalen Konflikten zu den ersten Opfern werden. Viele verlassen deshalb ihre Heimat. Es ist inzwischen schon lange her, dass Betlehem eine mehrheitlich christliche Stadt war.

Das Sonntagsblatt erinnert heute auch an eine Frau, die ein Zeichen gesetzt hat. Mit 62 Jahren ging die Ordensfrau und Lehrerin Schwester Emmanuelle zu den Müllsammlern nach Kairo. Das Werk, das sie dort – auch mit steirischer Hilfe – aufgebaut und auf den Sudan ausgeweitet hat, ist gewaltig. Jetzt mit 99 kann sie zwar nicht mehr in Kairo leben, aber sie blickt unbeirrt in die Zukunft. Nur ihr Körper hat etwas an Beweglichkeit verloren, der Geist ist rege wie eh und je.

Erst kürzlich ist ein Buch von ihr auf den Markt gekommen, in dem sie beschreibt, wie sie als junger Mensch zum Glauben gefunden hat, wer ihre geistigen Begleiter waren, woher sie ihre Lebenseinstellung nimmt. Ein Jahrhundert Lebensweisheit hat die Grundeinstellung dieser Frau vertieft: das Leben anlächeln, damit es dich anlacht; und immer eine Suchende bleiben, die sich nicht mit Oberflächlichem zufrieden gibt.