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Herbert Meßner, Chefredakteur - Christian Jungwirth, www.bigshot.at / christian jungwirth

Wenn das Weihwasser verdunstet

Während der Hitzewelle im Juli brachte der ZiB-Flash eines Abends drei Hauptmeldungen. Nach Grasser und Sarkozy kam die Nachricht, dass wegen der großen Hitze das Weihwasser knapp wird. Es verdunstet und muss immer öfter nachgefüllt werden. Und außerdem würden die Leute die schwitzende Hand ins Weihwasserbecken tauchen und für weitere Verdunstung sorgen. Der ZiB-Moderator stellte schmunzelnd den Zusehenden die Tele-Vision von eilig und eifrig Weihwasser segnenden Pfarrern vor Augen.

Nachdem meine Verwunderung über die Dringlichkeit dieser Nachricht verflogen war, erinnerte ich mich daran, dass wir oft von einer Verdunstung des Glaubens sprechen. Manchmal kommt uns in der Seelsorge die Situation des Glaubens vor wie bei einem Gewässer, das viel tiefer sein kann und einmal tiefer war.

Warum kann der „Wasserstand“ des Glaubens zurückgehen? Die Hitze des Alltags kann die Pflege des Glaubens schwerer machen. Oder die Hitze des Gefechtes von Richtungskämpfen in der Kirche. Oder aber die Zuflüsse werden weniger: die Hinführung zum Glauben von klein auf, die Wertschätzung des Glaubens in der Gesellschaft, die Nützlichkeit des Glaubens aus der Sicht des einzelnen Menschen.

Eine halbe Stunde vor besagtem ZiB-Flash brauchte ich übrigens Weihwasser (das noch gar nicht verdunstet war): Zwei junge Menschen baten mich, ein Holzkreuz zu segnen. Es sollte einen von ihnen für ein Jahr nach Spanien begleiten. Wo Glaube als Segen erlebt wird, steigt sein Wasserspiegel.