von Herbert Meßner

Ein Blick über die Grenze tut immer wieder gut

Am zweiten Sonntag im Jänner fährt jedes Jahr ein Bus mit steirischen Priestern über die Grenze. Auch heuer sind 32 Seelsorger im bayerischen Freising, zusammen mit dem Diözesanbischof, dem Weihbischof, dem Generalvikar, dem Pastoralamtsleiter und anderen Verantwortlichen in unserer Diözese. Jenseits einer Grenze weitet sich der Blick, schwin-
det leichter die Betriebsblindheit der Alltagsarbeit. Und so lassen sich besser Gedanken über die Zukunft der Seelsorge fassen.

Über die Grenze führen uns in der Woche nach dem dritten Sonntag im Jänner auch wichtige Tage. Der 17. Jänner erinnert uns als „Tag des Judentums“ an unsere Verbundenheit mit unseren älteren Glaubensgeschwistern. Dass dabei Unwissen und folgenschweres Gegeneinander aufzuarbeiten sind, macht den Gedanken dieses Tages um so wichtiger.

Am 18. Jänner beginnt die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Während evangelische oder orthodoxe Christen in Österreich oft stark die Notwendigkeit der Ökumene spüren, etwa weil sie mit einem Katholiken verheiratet sind oder ihre Kinder in der Schule hauptsächlich katholische Mitschülerinnen und Mitschüler haben, unterschätzen katholische Christen in ihrer (ohnehin abnehmenden) Mehrheitsposition noch oft den Wert der Ökumene und kennen die Position ihrer Mitchristen schlecht. Ganz zu schweigen davon, dass Einheit (nicht Einheitlichkeit) schon von Jesus her ein Grunderfordernis des Christseins ist.

Es tut gut, über die Grenze zu schauen und einander mit den vielen Schätzen christlichen Lebens und christlichen Glaubens zu bereichern.