Das junge Evangelium und die alte Kirche

 

Joopi Heesters macht im Fernsehen sympathisch Werbung für die beste Altersvorsorge seit 101 Jahren. Eine ganz andere Vor-Sorge legt die Mutter der Müllmenschen, Schwester Emmanuelle, dar, die im November ihren 97. Geburtstag gefeiert hat. Sie denkt an die Zukunft und sorgt sich um die Jugendlichen, die auf der Straße landen.

Auch ein Buch hat die rührige Schwester wieder geschrieben, wenngleich sie sich körperlich nicht mehr so gut rühren kann. Vielen ist die jetzt in Paris Lebende von ihren Besuchen in der Steiermark bekannt, als sie das Leben der Müllsammler von Kairo veränderte.

Wir sprechen oft davon, dass die Kirche in Europa alt geworden ist. Wir sehen darin eine Ursache dafür, dass die Kirche hier müder erscheint als in anderen Kontinenten. Aber dann gibt es gerade diese Ur-Alten wie Schwester Emmanuelle oder Kardinal König, die der Kirche Schwung für die Zukunft geben.

Der Advent ist die Zeit, wo das alt gewordene Gottesvolk Israel erfährt, dass es doch neue Frucht bringen kann. Das alte Ehepaar Elisabeth und Za-
charias schenkt ihm den Propheten Johannes den Täufer. Die Alten Simeon und Hanna erkennen im Tempel in Jesus das Heil, das Gott der Welt 
gibt.

Vor 40 Jahren hat das vom alten Papst Johannes XXIII. einberufene Zweite Vatikanische Konzil der alten Kirche die Jugend erneuert. Es redete einer Kirche das Wort, die das Evangelium in der modernen Gesellschaft lebt und zum Strahlen bringt. Damit der Aufschrei des Schriftstellers Georges Bernanos positive Wirkung zeigt: „Das Evangelium ist jung, nur ihr seid so alt!“