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Herbert Meßner, Chefredakteur - Christian Jungwirth, www.bigshot.at / christian jungwirth

Ausziehen und 
weiterziehen

Dorthin, wo im Mittelalter und wieder seit den letzten Jahrzehnten unzählige Menschen aufgebrochen sind, zog es auch das „Sonntagsblatt“ für eines seiner heurigen Reiseangebote: nach Santiago de Compostela. Wir besuchten zunächst Portugal, um schließlich im Heiligtum des Apostels Jakobus zu landen.

Immer wieder treffe ich Menschen, die, auf Santiago angesprochen, sagen: Da war ich auch. Oder: Da möchte ich auch hin. Die richtigen Pilger brechen auf und ziehen immer wieder weiter, dem Ziel entgegen.

In Portugal haben wir prächtige Klöster gesehen. Zum Beispiel das Jerónimoskloster in Lissabon. Könige wie Manuel I., der einem ganzen Baustil seinen Namen gab, sind dort begraben, oder der Entdecker Vasco da Gama und der Dichter Luis de Camoes. Die vom Kreuzgang aus für die Priester und von der Kirche aus für die Beichtenden zugänglichen Beichtstühle sind nur mehr Sehenswürdigkeit. Mönche gibt es dort, wie in anderen Klöstern, keine mehr. Sie mussten ausziehen, als man in der Säkularisierung von geistlichen Gemeinschaften nichts hielt.

Immer wieder kommen auch bei uns vertraute geistliche Einrichtungen an ein Ende. Jetzt ziehen die Kleinen Schwestern aus Mariazell aus. Aber ich glaube nicht, dass sie das als ein „Ausziehen“ verstehen. Für sie ist es ein Weiterziehen. Auch Weiterziehen ist eine geistliche Erfahrung. Nicht nur für die Pilger auf dem Weg nach Santiago. Schon Jesus wusste, dass er immer wieder weiterziehen musste. Dem Ziel entgegen.