Rechts geht‘s hier auf der Westbank nach Jerusalem für (von links) Esther Ruethemann, Hildegard Aepli, P. Christian Rutishauser und Franz Mali. – Hören können Sie Mali und Aepli auf www.sonntags­blicke.at

Vier zu Fuß nach Jerusalem

Die Vorsehung ist pünktlich. 
Ein steirischer Theologieprofessor war unter den vier Pilgerinnen und Pilgern, die in der Schweiz zu Fuß nach Jerusalem aufbrachen.

  

Leben Sie jetzt anders? „Ich hoffe, dass ich ein bisschen ruhiger geworden bin“, erwägt der Theologe Prof. Dr. Franz Mali. Er ging die 4300 Kilometer vom Bildungshaus (Lassalle-Haus) Bad Schönbrunn bei Zug in der Schweiz zu Fuß nach Jerusalem nicht bloß mit. Er plante auch die tägliche Strecke, den ersten Teil vor dem Start und den weiteren Verlauf bei einem Aufenthalt in Istanbul.

Die größte Herausforderung habe bedeutet, „nicht zu viele Kilometer pro Tag zu machen, sondern vernünftig zu bleiben“. Sonst sei man nach einer Woche fix und fertig. Nach Jerusalem zu gehen bedeute keinen Gewaltmarsch. Im Durchschnitt 25 Kilometer pro Tag und sechs, sieben Stunden reine Gehzeit verschrieb der aus Oberzeiring im Dekanat Judenburg stammende „Routenchef“ der vierköpfigen Pilgergruppe. Sie war am 2. Juni 2011 gestartet und kam zu Weihnachten in Jerusalem an.

Die Anspannung, am Abend ein Quartier zu finden, plagte Franz Mali. Schlussendlich habe es jeden Tag irgendwie funktioniert, atmet er auf. Genau in dem Moment, als er an einer Kreuzung gestanden sei und etwas gebraucht habe, da seien Leute auf ihn zugekommen und es habe sich eine Lösung ergeben. „Gottes Vorsehung ist pünktlich“: Diese Zuversicht wolle er jetzt auch für Kämpfe und Anstrengungen in seinem neuen Amt als Dekan an der Theologischen Fakultät Fribourg in der Schweiz mitnehmen.

„Ein bisserl schon der Vermittler“ sei er bei Spannungen in der Gruppe gewesen, gesteht Mali. Vier Individualisten mussten sieben Monate lang versuchen, sich einander anzupassen. Jemand sage, „ich kann nicht schneller gehen“, einer entgegne: „Du willst die Gruppe kontrollieren, weil du so langsam gehst …“ Einmal habe die Gruppe die Eucharistiefeier auf den Nachmittag verschoben, „weil es zwischen zweien so gefunkt und gekocht hat“. Nach einem Stück Weitergehen sei manches ausgeräumt gewesen und die Vier haben Messe feiern können.

Ein „Bild für die pilgernde Kirche“ sieht Mali in solchen Spannungen. In ihr müsse man ebenso die Fittesten mahnen: „Du, so schnell kommen die anderen nicht nach.“ Die anderen dürfen aber auch nicht „aus ihrer Schwäche Kapital schlagen“.

Am 23. Dezember gegen 16 Uhr blickte die Gruppe vom Ölberg auf die Stadt Jerusalem. Das Ziel war die Grabes- und Auferstehungskirche. Franz Mali schildert: „Jetzt waren wir angekommen, nach so viel Zeit und so viel Geschichte. Wir fielen uns um den Hals. Für diesen Moment sind wir gegangen.“ Am nächsten Morgen legten die Schweizer und der Steirer ihr „Pilgerband“, in dem auf Zetteln unzählige Gebetsanliegen steckten, für welche die Gruppe unterwegs war, auf den „Golgotafelsen“ in der Kirche. Ein griechisch-orthodoxer Mönch sah es, rieb das Band würdigend mit geweihtem Öl ein, reichte den vier katholischen Pilgernden seine öligen Hände und schenkte ihnen die Ölflasche.

 

JOHANN A. BAUER






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