Alfred Jokesch

Nicht machen, sondern geschehen lassen

Das himmlische Jerusalem ist das biblische Bild für eine große Utopie und Vision der Menschheit. Seit Urzeiten träumen wir davon, das Paradies auf Erden zu errichten. Doch der Blick in die Geschichte zeigt uns eindringlich: Solche Versuche haben meistens damit geendet, dass die Menschen sich das Leben zur Hölle machen, weil die einen sich wie Götter verherrlichen lassen und andere dafür erniedrigt, in den Dreck geworfen und geopfert werden.

Die Vision in der Offenbarung des Johannes hat dazu allerdings einen kleinen, aber bedeutsamen Unterschied. Nicht Menschen machen sich hier zu Göttern, sondern Gott wohnt ganz bei den Menschen. Und nicht Menschen erschaffen das Paradies, sondern das Lamm Gottes sagt: Ich mache alles neu. Himmlisch wird unser Zusammenleben weniger durch das, was wir machen, verwirklichen und durchsetzen, als durch das, was wir geschehen lassen.

Dieses Lamm, das im himmlischen Jerusalem auf dem Thron sitzt, ist Jesus, der im irdischen Jerusalem am Kreuz getötet worden ist. Und er spricht von Verherrlichung ausgerechnet in dem Augenblick, als sich die tiefsten Abgründe auftun, als Judas hinausgeht, um ihn zu verraten. Jesus verherrlicht Gott, indem er es zulässt und trotz allem ein Liebender bleibt. Von den Menschen wird Jesus nicht verherrlicht, aber von Gott, der durch die Auferstehung zeigt, dass eine solche Liebe am Ende den Sieg davonträgt und die Welt verwandelt. Vielleicht wird ja gerade dadurch der Mensch verherrlicht, dass ich ihn sein lasse, wie er ist, und ihn trotzdem liebe.




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