Nr. 452: Der Herr wird dich segnen

Ein Lied des Monats soll helfen, sich mit dem neuen „Gotteslob“ 
vertraut zu machen.

 

 

Im alttestamentlichen Buch Numeri lernt Aaron, der Priester an der Seite des Mose, wie er die Israeliten segnen soll: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil“ (Num 6,24-26). Dieser Aaronsegen wird am 1. Jänner als erste Lesung in der Messe über das neue Jahr geschrieben. Er steht als mögliche feierliche Segensformel im Messbuch. Er wird besonders gepflegt in der evangelischen Liturgie und in der franziskanischen Tradition.

Der Franziskaner P. Helmut Schlegel hat daraus den Refrain unseres Liedes entwickelt und „buchstabiert“ in den sieben Strophen, was dieser Segen be-deutet. Die im „Gotteslob“ dafür herangezogene Melodie stammt von Thomas Gabriel; der vielseitige Kirchenmusiker steht für neues geistliches Liedgut und ist etwa bekannt durch seine internationale „Missa mundi“ beim Weltjugendtag 2005 in Köln mit Papst Benedikt XVI.

Segen ist Erfahrung der Güte, Freundlichkeit und des Erbarmens Gottes, sagt der Refrain. Was das heißt, wird in den einzelnen Strophen näher ausgedrückt.

1. Ich bin gemeint: Der Schöpfer des Universums hat mich geschaffen, nicht als Nummer oder namenloses Etwas. Mein Name, meine Person, mein Dasein hat eine Bedeutung in Gottes Schöpfung.

2. Ich kann mich entfalten: Segen bedeutet, dass Gott wachsen lässt, was ich durch mein Leben und Tun gesät habe. Gott vollendet, was wir beginnen, damit es nicht Stückwerk bleibt.

3. Ich bin behütet: Das gilt für mich und die Meinen, für alle, denen ich Segen wünsche. Segen ist wie eine schützende Hand oder ein bergendes Haus.

4. Ich werde gebraucht: Segen bedeutet Licht und Orientierung, aber auch das Feuer der Begeisterung. Segen heißt, von Gott gebraucht zu werden. Wie einen Bruder erfahre ich den segnenden Gott; der Begriff „brüderlich“ ist hier nicht gegendert. Es ist ja auch Jesus das Gesicht, in dem sich der liebende Gott mir zeigt.

5. Ich kann neu beginnen: Segen bedeutet Vergebung, Neubeginn, wieder aufatmen können, befreit werden von den Lasten des Lebens.

6. Ich werde in Liebe begleitet: Wir werden von Gott nicht wie von einem Kontrollor überwacht, sondern mit dem Blick der Liebe bewacht. Gott ist nicht weit weg, er lebt mit uns. Sein Segen bewirkt Zusammengehörigkeit und Geschwisterlichkeit.

7. Ich bin beschenkt: Segen schenkt uns Eigenschaften, die wir zum Leben brauchen: Frieden, Lebensmut, Gerechtigkeit, offenes Herz und offene Hände. Wer sich von Gott beschenkt weiß, kann selber schenken.

„Segen“ bildet im neuen Gotteslob ein eigenes Kapitel. Segen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche. In den Segen mündet jeder Gottesdienst und verbindet ihn mit dem Alltag. Dafür eignet sich das Lied und für viele Anlässe des Segens, vom Segen zur Nacht bis zum Segen bei der Hochzeit. Auf einem youtube-Video habe ich das Lied, wenngleich mit einer anderen Melodie von Winfried Heurich, bei einem Begräbnis gefunden, dargestellt von einem Gebärdenchor.

Segnen ist immer verbunden mit Lob und Dankbarkeit. Und mit Segens-Gesten wie Kreuz, Handauflegung, Zuwendung. Segnen ist für den Leib Christi, die Kirche, die wichtigste Körpersprache.

 

 

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