© Philipp Lihotzky,

Daniela Grabovac, - Philipp Lihotzky,

Kontrapunkte

Wer den Hass freilässt …

Wer stoppt Menschen und Gruppen, die in „sozialen Netzen“ wie Facebook Hass schüren? Helfen „Klarnamen“? Dem „geposteten Hass“ stellen wir den realen gegenüber, am Beispiel Indien.


„Bannt den Hass“ – BanHate

Nur noch unter seinem echten Namen („Klarnamen“) sollen die Österreicher künftig im Netz ihre Meinung kundtun, will die Regierung. Wird dieses „digitale Vermummungsverbot“ die Hasspostings, die gehässigen „Briefchen“ im Internet verhindern? Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark, die mit „BanHate“ im April 2017 europaweit die erste App zum Melden von Hasspostings eingeführt hat, bringt Bedenken vor. – Dem geschriebenen Hass setzen wir hier den tatsächlich ausgeübten entgegen. Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ lässt einen Bischof aus Indien zu Wort kommen (aus einem Interview mit Maria Lonzano).

 

»Vermummungsverbot löst nicht das Problem der Hasspostings.«

Daniela Grabovac,
Mag., Juristin, leitet die Antidiskriminierungsstelle Steiermark 
und erfand die App „BanHate“.



Das „digitale Vermummungsverbot“, das die österreichische Bundesregierung in Begutachtung geschickt hat, sehe ich kritisch. Es wird das Problem der Hasspostings im Internet nicht lösen. 80 Prozent der über unsere BanHate-App gemeldeten hasserfüllten und hetzerischen Postings stammen von Facebook und damit von jener Plattform, auf der schon heute der Großteil der Userinnen und User mit Klarnamen kommuniziert.

Zudem müssten entsprechende Instrumente in der Strafverfolgung geschaffen werden. Hier wäre auch der Ausbau der agierenden Behörden wünschenswert.

Eventuell Tätereinsicht

Im Zusammenhang mit strafrechtlich bedeutenden Inhalten im Internet mangelt es einerseits am Unrechtsbewusstsein der Userinnen und User, andererseits sind die Provider sowie die Forenbetreiberinnen und Forenbetreiber gefordert, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, um solche Postings zu erkennen und gegebenenfalls zu löschen. Wünschenswert wäre hierbei auch die Mitteilung an die Urheberinnen und Urheber, warum Inhalte als strafrechtlich relevant eingestuft wurden. So könnte eventuell eine Tätereinsicht erzielt werden. Seit 2016 gibt es von der EU einen freiwilligen Verhaltenskodex, worin zahlreiche IT-Unternehmen von Facebook über Google bis YouTube versprechen, Hasspostings innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Allerdings gibt es dazu keine rechtlich bindende Verpflichtung und somit auch nicht die erhofften Verbesserungen. Hass im Netz gibt es zudem auch auf kleineren Plattformen. Es braucht die Berücksichtigung der unterschiedlichsten Aspekte, um für Sorgfalt und Verantwortung im Netz zu sorgen.

 

»Freigelassenes Monster des Hasses kann man nicht mehr bändigen.«

Theodore Mascarenhas, Weihbischof in Ranchi im Osten 
Indiens, ist Generalsekretär der Indischen Bischofskonferenz.

Hinduistische Fundamentalisten stürmten am 26. März die katholische Schule „Little Flower“ in Chinnasalem im Bundesstaat Tamil Nadu im Südosten Indiens und versuchten die dort tätigen Ordensschwestern zu ermorden … Wir müssen uns fragen, warum sich solche Vorfälle in einer zivilisierten Gesellschaft ereignen. Einige Gruppen schüren den Hass. Sie werden weder in den sozialen Medien noch im realen Leben gestoppt. Sie scheinen Schutz und Privilegien zu genießen. Sie erhalten politische Befugnisse. Das Problem ist, dass die politischen Führer sie zu solchen Taten ermutigen.

Wenn man einmal das „Monster“ des Zorns, des Hasses und der Gewalt freilässt, dann kann man es nicht mehr bändigen. Das ist meine Sorge. Alle, die den Hass verbreiten, müssen wissen, welchen Schaden sie der Gesellschaft zufügen und dass dies schwer kontrolliert werden kann. Wenn es nicht mehr unter Kontrolle ist, dann haben wir ein großes Problem.

 

Dann holten die Nationalsozialisten mich …

Die Opfer sind Minderheiten. Aber ich denke an den Ausspruch, der einem evangelischen Pastor aus Deutschland (Martin Nemöller) zugeschrieben wird: „Als die Nazis die Sozialisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialist. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Dann holten sie die Juden, und ich habe geschwiegen; ich war ja kein Jude. Dann holten sie mich – und es war niemand mehr übrig, der protestieren konnte.“ Es beginnt immer mit einer Minderheit und dann mit einer zweiten und so weiter …

 

 






Grüß Gott auf unserer Website! Wir verwenden Cookies, um die Bereitstellung unserer Inhalte und Services zu erleichtern. Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.Mehr Informationen

OK