© Bartek Zytkowiak, Copyright: Aid to the Church in Need

An einem neuerrichteten Denkmal vor der Kirche St. Sebastian in Negombo gedenken die Angehörigen jener Christen, die hier am Ostersonntag getötet wurden, der Opfer. Bei mehreren Anschlägen kamen an diesem Tag in Sri Lanka 250 Menschen ums Leben.Fotos: Kir - Bartek Zytkowiak, Copyright: Aid to the Church in Need

Warum üben sie keine Rache?

In Sri Lanka haben Christen nach den Anschlägen zu Ostern viel Sympathie und Respekt erhalten: „Über Nacht war das ganze Land getauft“, berichtet ein Priester.

Vor drei Monaten rissen Bombenanschläge auf christliche Kirchen und Hotels in Sri Lanka mindestens 250 Menschen in den Tod, rund 500 wurden verletzt. Es war der Ostersonntag. Der Inselstaat, in dem die Christen rund acht Prozent der Bevölkerung stellen, steht seitdem unter Schock. Gleichzeitig haben die Anschläge, die auf das Konto einer islamistischen Splittergruppe gehen, eine Welle der Solidarität ausgelöst. Die katholische Kirche hat viele haupt- und ehrenamtliche Helfer losgeschickt, um den traumatisierten Menschen zu helfen.

Einer von ihnen ist Prasad Harshan aus Colombo. Mit seinem „Faith Animation Team“ besucht er Überlebende und Hinterbliebene, koordiniert materielle Hilfen und leistet geistlichen Beistand. Auf Wunsch von Erzbischof Malcolm Kardinal Ranjith sind bereits seit drei Jahren Missionare auf den Straßen unterwegs, um den Menschen zuzuhören und ihnen beizustehen. „Das wurde jetzt nach dieser Tragödie zum Segen“, erzählt Harshan. Zusammen mit vier weiteren Priestern ist er vor allem in Negombo tätig, wo in einer einzigen Pfarrei 115 Menschen ermordet und mehr als 280 verletzt wurden.

Der Seelsorger berichtet: „Die Menschen sind verwundet: physisch, mental und spirituell. In 30 Jahren Bürgerkrieg hatten wir nie solche Bombenattacken in Kirchen.“ Da ging es zunächst vor allem darum, „mit den Menschen auszuharren, auch wenn wir keine Antworten geben konnten“, und ihnen zu zeigen, dass Gott bei ihnen ist und bleibt.

Nach dem Schock sei dann die Wut gekommen – besonders, als die Menschen erfuhren, dass die Regierung vor den Anschlägen warnende Informationen erhalten hatte. „Da spielten die Appelle von Kardinal Ranjith eine große Rolle.“ Er habe die Menschen aufgerufen, sich nicht von Emotionen, sondern vom Glauben leiten zu lassen.

Was dann geschehen ist, drückt Prasad Harshan so aus: „Über Nacht war das ganze Land getauft.“ Plötzlich sei im ganzen Land die Anwesenheit der Katholiken, die mit acht Prozent der Bevölkerung nur eine kleine Minderheit darstellen, und die besondere Art ihres Glaubens bewusst geworden: „Die Buddhisten begannen untereinander darüber zu sprechen, wie bewundernswert die Katholiken seien: Warum üben sie keine Rache?“ Auch buddhistische Mönche würden die Katholiken dafür bewundern und ihnen mit viel Sympathie und Respekt begegnen.

Schockierend sei es gewesen, als im Zuge der Untersuchungen Waffen in den Moscheen gefunden wurden. Doch die muslimischen Autoritäten hätten erkannt, dass es ihr Fehler war, zu den Aktivitäten terroristischer Gruppen in ihren Gemeinden zu schweigen. „Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Attentäter vom Ostersonntag waren Muslime.“ Da müsse ein Reinigungsprozess in Gang kommen.

Der Priester ist dankbar, dass Hilfsorganisationen wie „Kirche in Not“ in dieser Situation sehr viel geleistet und bewirkt haben: „Wir sind im Land eine Minderheit, aber wir wissen, dass wir einer größeren Familie angehören.“ Es sei bewegend, dass Menschen, die nie in Sri Lanka waren, für sie beten und spenden. So sei die katholische Kirche zu einem Segen für alle Menschen Sri Lankas geworden. „Indem die Menschen auf die katholische Kirche blicken, hat eine innere Umkehr begonnen. Sie beginnen zu verstehen, was es bedeutet, als Christ zu leben“, ist Harshan überzeugt. Um den Einsatz für die Überlebenden der Terroranschläge auf Sri Lanka zu unterstützen, bittet „Kirche in Not“ um Spenden auf das Konto: Kirche in Not, IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600; Verwendungszweck: Sri Lanka.






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