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Mit Freude und Mut. Eine kleine Gruppe von frisch Getauften ließ sich mit Anna Maria Jalalifar (rechts) und Hermann Glettler (2. von links) fotografieren. Die meisten Katechumenen haben schon in ihren Herkunftsländern das Christentum kennen gelernt. - Foto: privat

Religion frei wählen

Konversion. Erwachsene ändern bewusst ihre Religionszugehörigkeit. Eine Herausforderung im Miteinander der Religionen.

 

Die neu gegründete Kommission Weltreligionen der Österreichischen Bischofskonferenz hat sich in einer Fachtagung mit internationalen Referierenden in Salzburg am 9. März mit dem Thema Konversion auseinandergesetzt. Hier einige der wesentlichen Gedanken.

Konversionen können Folge der individuellen Entscheidung einzelner Personen sein. Sie können aber auch ganze Völker und Gesellschaften betreffen, was im Lauf der Religionsgeschichte, auch der christlichen, immer wieder der Fall gewesen ist. Grundsätzlich ist bei Konversionen zwischen den drei jeweils beteiligten Perspektiven zu unterscheiden – der Sicht des Konvertiten, der Sicht der „verlassenen“ Religionsgemeinschaft und der Sicht der neu gewählten Gemeinschaft („Community“).

Wie unterschiedlich die Motive für Konversionen sein können, beleuchtete der Leiter der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz in Frankfurt am Main (CIBEDO) Timo Güzelmansur: Sie reichen von innerlichem religiösem Empfinden über die unterschiedliche Plausibilität theologischer Antworten bis zu Fragen der „richtigen“ Moral und Gesellschaftsordnung. Spannender Hintergrund dabei: die Biografie des Referenten, der selbst als in der Türkei gebürtiger Alawit zum Christentum konvertiert ist.

Dass aus islamischer Sicht Christen nicht zum Islam bekehrt werden müssen, begründet der muslimische Theologe Mouhanad Khorchide aus Münster damit, dass der Kern des Islam jene Hingabe an Gott ist, die sich auch als Christ leben lasse. Mit gegensätzlichen muslimischen Positionen ging er dementsprechend hart ins Gericht.

Zwischen Konversionen als „plötzlichen“ Ereignissen und als längeren Prozessen unterschied die in Bern tätige Religionspsychologin Anna-Konstanze Schröder.Dass ihre Studien keinen Zusammenhang zwischen Konversion und religiös-politischer Radikalisierung belegen, referierte die in Leipzig lehrende Religionssoziologin Monika Wohlrab-Sahr.

Die gesellschaftliche und politische Dimension von Konversion wurde im Beitrag des Religionswissenschaftlers Manfred Hutter aus Bonn deutlich. Er verglich die Anti-Konversionsgesetze der Staaten Indien, Malaysia und Myanmar, durch die jeweils die Vorherrschaft hinduistischer, islamischer bzw. buddhistischer Interessen und kollektiver Identitäten – auch auf Kosten der Menschenrechte von Minderheiten – „geschützt“ wird.

Gibt es unter Asylsuchenden Personen, die eine Konversion anstreben, weil sie sich erhoffen, dadurch ihre Chancen auf einen positiven Asylbescheid zu erhöhen? Die mitunter vorschnell geäußerten Absichten mancher österreichischer Politiker könnten ja durchaus in diese Richtung motivieren. Daniel Vychytil, zuständig für das Erwachsenenkatechumenat in Wien, ist da sehr skeptisch, denn die katholische und auch die evangelische Kirche sehen mindestens ein Jahr intensivster Vorbereitung vor, was vor einem Missbrauch sehr schnell abschreckt. Im freikirchlichen Bereich sei eine Konversion freilich oft schneller zu haben.

Markus Ladstätter,
Geschäftsführer der Kommission Weltreligionen der Bischofskonferenz




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