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Das Singen für Kleinbauern in ihren Dörfern im Nordosten Guatemalas rückt die Dreikönigsaktion heuer ins Blickfeld. - Foto: Griessler

Keine Tortillas in Steiermark

Die Dreikönigsaktion der 
Katholischen Jungschar brachte Sternsinger mit Q’eqchi-Indios aus Guatemala zusammen, denen sie jetzt „ihre Stimme geben“.

Vom Maya-Volk der Q’eqchi-Indios (sprich: „Kekdschi“) stammen die zierliche Bäuerin Natividad Ical Mes und ihr männlicher Begleiter, Randolfo Cantoral Prado. In der Steiermark beeindruckten sie vor einigen Wochen in mehreren Schulklassen die Kinder, die jetzt gebannt dem Sternsingen entgegenschauen. Zwischen Weihnachten und Dreikönig wollen sie „Zeichen setzen, die Welt gerechter zu machen“. Sie singen und sammeln Geld für rund 500 Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Als Beispiel wählte die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Österreich heuer Guatemala aus.

„Guatemala bleibt eines der Länder der Erde mit der ungerechtesten Verteilung der Vorräte und einer extremen Konzentration von Land und Reichtum“, diagnostizierte der Schweizer Jean Ziegler. Diesen Teufelskreis der Armut und Ausbeutung hilft die Dreikönigsaktion zu durchbrechen. Sie ermächtigt durch die Spenden die Betroffenen, ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen.

„Ich fühle mich so weit weg; ich weiß gar nicht, was meine Familie gerade tut“, gesteht Frau Natividad Ical Mes „ein bisschen wehmütig“ im Sonntagsblatt-Gespräch. Sie habe vier Kinder. „Heute Nacht habe ich geträumt, dass das Kleine auf meinen Schoß gesprungen ist und mich zum Lachen gebracht hat“, erzählt die Hausfrau und Mutter. Die Tortillas gehen ihr ab, die Maisfladenbrote, die daheim fast zu jedem Essen gereicht werden.

„Viele Frauen gehen zwei bis drei Stunden zu Fuß, um unsere Treffen zu erreichen“, berichtet Natividad über die Gruppen, die sie im Norden Guatemalas initiiert hat. Den Versammlungsraum stelle die Pfarre zur Verfügung. Viel besprochen werde bei den Begegnungen, aber die Frauen stellen auch Kerzen her, da es in ihrer Gegend keinen Strom und kein elektrisches Licht gebe. „Wir möchten nicht einfach stehen bleiben, sondern neue Dinge dazulernen“, bemerkt Natividad. Dass es „nur gemeinsam geht“ und durch das „Zusammenschließen“, davon versuche sie auch Frauen zu überzeugen, die den Sinn hinter einer solchen Runde nicht sehen.

„Recht auf eigenes Land, auf Gesundheitsversorgung, das Recht, dass man an Entscheidungen teilnehmen kann“ sind für Randolfo Cantoral Prado Anliegen, für die er kämpft. Der 40-jährige Vater von drei Kindern ist seit zehn Jahren in der Landpastoral der katholischen Kirche mit den Q’eqchi-Indios aktiv. Er organisiert etwa, dass Bauern durch ihre Gruppen einen höheren Ertrag des Bodens erwirtschaften und biologisch anbauen. Die ethnische Gruppe der Q’eqchi habe dafür eine gute Tradition. Größtes Hindernis sei die Regierung, „die sich in den Weg stellt und nicht offen für Neues ist“.

Sie habe sich gefreut, „wie fröhlich die Kinder in der Steiermark waren“, schildert Natividad. In Guatemala müssen die Kinder nach der Schule auf dem Feld arbeiten. Sie haben „nichts, womit sie sich amüsieren könnten“.

Der Einsatz und die Neugier der Sternsingerinnen und Sternsinger haben ihn beeindruckt, erzählt Randolfo Cantoral Prado. Er wolle sich bei den Kindern „herzlich für das bedanken, was sie tun“. Die Unterstützung durch die Sternsinger sei für ein würdiges und gerechtes Leben der Bevölkerung sehr entscheidend. Sein Pfarrer daheim stehe auch auf der Seite der Armen. Für den Priester sei es fast eine moralische Pflicht, gemeinsam mit den Maya ihre Zeremonien zu begehen, etwa Aussaat und Hochzeiten, und am Schluss feiern sie gemeinsam eine Messe.JOHANN A. BAUER



Und dann in Leoben feiern

Kaltes Wetter, müde Füße, heisere Stimmen, verschlossene Türen: Sternsingen heißt nicht nur Idealismus und Lustigsein. Da tut ein Vorausblick auf das Dankefest gut: Sternsingertreffen, 8. Jänner, 10 Uhr, Oberlandhalle Leoben.