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Mit Herzen wird auf Blumenteppichen in Deutschlandsberg der Weg geschmückt, auf dem Jesus im Brot der Eucharistie begleitet wird. - Foto: Fürbass

Herz-Solo

Fronleichnam am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag und Herz Jesu am Freitag der darauffolgenden Woche: zwei Feste, die sich gegenseitig erklären.

 

 

Von Herzen – möge es wieder zu Herzen gehen! Das schrieb Ludwig van Beethoven in die Partitur seiner Missa Solemnis. Das gilt aber für jede heilige Messe. Sie hat ihren Ursprung im Herzen des Herrn, sie ist seine Herzenssache, sie ist sein Herzensanliegen, und sie ist auf das Herz des Menschen ausgerichtet. Unser Herz ist gefragt, wenn wir Eucharistie als das feiern wollen, was sie ist: das Zeichen der liebenden Gegenwart Gottes. Die Sprache der Liebe ist nur einem liebenden Herzen zugänglich.

Das Geheimnis Jesu enthüllt sich in Zeichen, Worten und Taten der Liebe. Erst wenn sie uns zu Herzen gehen, geht uns auf, was sie uns sagen und geben wollen. Aber warum wählt Jesus diese Allerweltszeichen von Brot und Wein als Zeichen seiner Liebe?

Das Brot steht für das Lebensnotwendige. Das eucharistische Brot ist sein Lebenszeichen für alle Hungerleider dieser Welt, sein Lebenszeichen gegen die Brotlosigkeit der Welt, sein Lebenszeichen für die (Ver-)Teilungsgerechtigkeit. Wer sich so zum lebensnotwendigen Brot für die Welt macht, der ist nicht herzlos, sondern herzlich und herzensgut.

Der Wein steht für das Fest und die Feier, die unser Leben aus den Niederungen des grauen Alltags herausheben. Jesus will uns mehr geben als das, was wir unbedingt brauchen. Er gibt uns nicht nur das Nötigste, sondern auch das im wahrsten Sinne „Überflüssige“, das Überfließende. Der Wein ist sein Lebenszeichen gegen den Lebensdurst der Welt. Wer sich in so überfließendem Maß zum rettenden Trank für die nach Leben lechzende Welt macht, der ist nicht engherzig, sondern weitherzig und hochherzig.

Sich so bis zur Selbsthingabe gegen die Brotlosigkeit und den Lebensdurst dieser Welt einzusetzen, das geht nur, wenn man mit ganzem Herzen bei der Sache ist, wenn einem das Heil der Welt ein Herzensanliegen ist. Wer Brot und Wein in den Händen Jesu in der Nacht vor seinem Sterben mit den Augen des Herzens betrachtet, erkennt in ihnen Zeichen der Hingabe bis zum Tod für das Leben der Welt. Am Kreuz wird diese Hingabe schließlich mit dem Herzblut Jesu besiegelt.

Die Eucharistie ist die leicht zu übersehende Erscheinung des Herrn in unserer Welt. Gott wagt die Vereinigung, die Kommunion mit dieser gottlosen Welt. Und wir lassen sie uns in Fleisch und Blut übergehen, lassen sie uns zu Herzen gehen. Und dann tragen wir hoffentlich dieses Himmelsgeschenk der Gemeinschaft mit Gott in die Welt hinein und bezeugen mit Wort und Tat, mit Herz und Hand, worum es geht: um Gottes Herzensanliegen, den Menschen, und zwar um seiner selbst und um Gottes Willen.

Darum sollte es uns ein Herzensanliegen sein, dass uns die Eucharistie mehr und mehr zur Quelle, zur Mitte und zum Gipfel der Gemeinschaft mit Gott wird. Denn sie ist keine Festtagsverfeierlichungs-Folklore. Die Eucharistie ist das Lebensmittel der Kirche, das Brot vom Himmel als Brot für die Welt, die eiserne Ration fürs Leben und Sterben. Die Eucharistie kommt von Herzen, vom Herzen Gottes. Machen wir sie uns wieder zum Herzensanliegen.

aus: ULRICH LÜKE, nur tote fische schwimmen mit dem strom, herder

 




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