Viele Gespräche und Gruppendiskussionen im Ambiente von Schloss Seggau prägten den Pfingstdialog.

Grenzenlos digital?

Geist & Gegenwart. Beim Pfingstdialog auf Schloss Seggau ging es um Chancen und Risken der Digitalisierung.

 

Wir konnten in den vergangenen Wochen erleben, welche Bedeutung digitale Medien für den politischen Diskurs und für unsere Demokratie haben können“, erinnerte Bischof Wilhelm Krautwaschl bei der Eröffnung des Pfingstdialogs „Geist & Gegenwart“ auf Schloss Seggau. Digitalität öffne Räume der Begegnung, des Wissenstransfers und der Demokratisierung über Grenzen hinweg. Gleichzeitig berge sie die „Gefahr isolierender Pathologien und klientelbezogener Effekthascherei“.

Über diese Ambivalenz (Doppeldeutigkeit) der Digitalisierung tauschten sich vom 5. bis 7. Juni hochkarätige Fachleute aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Medien aus. „Das digitale Europa“ lautete das Thema dieser Tage, verbunden mit der kritischen Frage „No borders, no limits?“ Ungeahnte Veränderungen unseres Lebens könnte die fortschreitende Digitalisierung bringen. Möglichkeiten des 3D-Drucks, autonome Fahrzeuge, Robotik oder Künstliche Intelligenz und deren scheinbar grenzenlose Möglichkeiten würden zu einem „neuen Angesicht Europas“ führen. Das wirft Fragen auf: Sind diese Entwicklungen noch oder überhaupt steuerbar? Welche ethischen und sozialen Herausforderungen bringt die Digitalisierung? Welche Begrenzungen sind notwendig?

Bischof Krautwaschl erinnerte an die Berliner Mauer und hoffte, dass 30 Jahre danach vom Pfingstdialog viele Impulse ausgehen, „um analoge und digitale Mauern zwischen Menschen und Gemeinschaften abzubauen“. Zu den Teilnehmenden des hochkarätig besetzten Pfingstdialogs zählten der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der deutsche Moraltheologe Eberhard Schockenhoff, die IT-Fachleute Tim Cole und Ingrid Brodnig, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der über „Digitalisierung und Menschenbild“ sprach.

Mit „Vertrauen in Technologie“ befasste sich eine von acht sogenannten „Insiemegruppen“. Vertrauen sei erforderlich, um eine unübersichtliche in eine übersichtliche Situation zu verwandeln, erklärte dabei der Grazer Sozialethiker Leopold Neuhold. Dafür erforderliche technische Hilfsmittel dürften freilich nicht zum Selbstzweck werden, wie Neuhold am Beispiel von Torlinientechnik und Videoassistenz beim Fussball illustrierte. Technik müsse Ergänzung, nicht Ersatz sein. Grenzen ziehendes Recht und Ethik sollten einander ergänzen.

Über die Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung, wer wann auf Technik-Innovation reagieren soll, berichtete Wolfgang Burtscher, in der Europäischen Kommission für Forschung und technische Entwicklung zuständig. Einig waren sich die Diskutierenden, dass dafür ein Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft erforderlich ist. Leopold Neuhold meinte, es fehle heute ein Ort der Vermittlung wie die „Agora“ im antiken Griechenland, die der Zivilgesellschaft Anteilnahme und Diskussion ermögliche.

Kathpress

Bild: 
Unter den Teilnehmenden an „Geist & Gegenwart“ von links Superintendent Wolfgang Rehner, Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Bischof Wilhelm Krautwaschl, Internet-Experte Tim Cole und Koordinator Herwig Hösele.






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