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Im Spiel wurde bei „Welthaus der Diözese Graz-Seckau“ die Verteilung der Bevölkerung und der Religionen auf die einzelnen Kontinente erfahren. Auch der Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt (rechts im Bild), der schon im Grazer Barocksaal referiert hatt - Foto: Neuhold

Fehlendes Vertrauen

Menschenrechte. Heiner Bielefeldt plädiert für ein Zusammenwirken von Staat und Religionen.

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Noch nie gab es weltweit so viele Länder, die sich selbst als demokratisch bezeichnen. Doch vielerorts sind die Populisten auf dem Vormarsch – von den USA über Brasilien bis nach Europa und Südostasien. Was vor einigen Jahren kaum vorstellbar schien – die Einschränkung der Grundrechte, Bedrohung der Meinungs- und Pressefreiheit oder Eingriffe in eine unabhängige Justiz – lässt heute auch in Ländern der EU um die Demokratie fürchten. Ängste vor den anderen – Migranten, Flüchtlinge, Andersgläubige – werden geschürt und politisch instrumentalisiert.

Welche Rolle kommt den Religionsgemeinschaften beim Erstarken von Nationalismus und Fundamentalismus zu? Inwieweit fördern sie diese Tendenzen, und welchen Beitrag könnten sie eigentlich zur Stärkung von Demokratie und Menschenrechten leisten?

Im voll besetzten Barocksaal erklärte der Theologe Heiner Bielefeldt, dass Religionskämpfe und -kriege durchaus nicht zur gewohnheitsmäßigen Auseinandersetzung zwischen Schiiten und Sunniten gehören, sie hätten schon friedlich zusammen gelebt, das schaffe Hoffnung auf eine freie demokratische Gesellschaft. Motive für Kämpfe ortet der deutsche Menschenrechtsexperte im „Streit um politische Konflikte und in der Unterdrückung Ungläubiger von Gläubigen“ genauso wie in „religiös verbrämter Xenophobie und Nationalismus“ bei der Auseinandersetzung um „Identität“.

Der aktuelle Mangel an Achtung der Menschenrechte liegt nach Bielefeldts Meinung in einem Mangel an Vertrauen, der in Zivilgesellschaft und Politik immer stärker zu spüren ist. In dieser schwierigen Phase dürfe man die Gefahr, dass auch historische, große, demokratisch gewachsene Institutionen wie die EU schön langsam in die Knie gezwungen werden, nicht übersehen.

Zu einer geschwisterlichen Gesellschaft, die auf Freiheit für alle aufbaue, gehöre die Freiheit, Gewerkschaften zu gründen, genauso wie aufeinander zu hören, und auch ein Wirtschaftssystem, das auf Wachstum aufgebaut ist. „Ich bin ein Anhänger der sozialen Marktwirtschaft. Konkurrenz ist ein belebender Faktor.“ Natürlich soll ein Auskommen für alle gesichert sein.

„Wir müssen dafür sorgen, dass niemand unter die Räder kommt.“ Das wiederum liege auch in den Händen der Religionsgemeinschaften. Denn „Religionen waren an der Entstehung der Krise beteiligt, jetzt sollen sie auch helfen, die Folgen zu tragen“.

GISELA REMLER

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