© Fotos: Karl Stockner

Als diözesaner Jugendseelsorger leitete Hans Schrei 1989 den Pfingstgottesdienst in Weiz, heuer als Pfarrer von Graz-St. Leonhard. - Fotos: Karl Stockner

Einer predigte, alle stampften

Wie ein wenig mehr Himmel ist, legte der Wiener emeritierte Pastoraltheologe Paul M. Zulehner dar. Er predigte beim Jubiläum „30 Jahre Pfingstvision“ am 9. Juni in Weiz.

Einen Pfingstgottesdienst habe der noch junge Papst Johannes Paul II. 1979 in Warschau gefeiert. Mit seiner lauten Stimme habe er am Ende, so erinnerte Paul Michael Zulehner am Schluss seiner Predigt am Pfingstsonntag in Weiz, der unübersehbaren Schar der Feiernden zugerufen: „Gottes Geist erneuere das Antlitz der Erde. Dieser Erde!“ Dabei habe er „mit seinem Fuß hörbar auf den polnischen Boden“ gestampft.

„Ich bitte Sie jetzt alle aufzustehen“, so Zulehners Predigtende im Originalton. Weiter: „Und bevor wir den Glauben bekennen, könnten wir es dem inzwischen heiliggesprochenen Papst gleichtun. Ich werde jetzt gleich einfach den Schlusssatz aus der päpstlichen Predigt in Warschau wiederholen. Und gemeinsam stampfen wir beim Satz ‚Dieser Erde!‘ mit unserem Fuß hörbar auf den Boden, und meinen mit ‚dieser Erde‘ unsere Kirche, unser Land, unsere geliebte Welt. Also: ‚Gottes Geist erneuere das Antlitz der Erde. Dieser Erde!‘ Amen.“

Weiz habe sich „inmitten einer eher stagnierenden, ja in manchen Regionen und Pfarrgemeinden sterbenden Kirche als Ort der Zuversicht und des Aufbruchs erwiesen“. So freut sich Zulehner über das am Pfingstsonntag und davor gefeierte Jubiläum „30 Jahre Pfingstvision“. Er selbst habe hier auch viel für sein christliches Leben wie für seine Pastoraltheologie gelernt, bekannte er. Fery Berger dankte er, „etwas von einem Propheten“ habe er an sich. Viele Frauen und Männer, zumal jüngere, habe er mit seiner prophetischen Vision angesteckt. „Abendmahl geht nicht ohne Fußwaschung“, kennzeichnete der Professor die Erfahrungen in Weiz. Vielleicht „sollten die Kleriker, Diakone, Priester, Bischöfe bis hinauf zum Papst an Stelle der Stola manchmal eine Schürze anziehen“, spielte Zulehner auf die Fußwaschung an und wiederholte seinen Lehrsatz: „Wer in Gott eintaucht, taucht unweigerlich mit Gott bei den Armen auf.“

Mit der Wahl von Franziskus habe sich die Lage tiefgreifend verändert. „Der Papst selbst lebt und lehrt, wofür Weiz schon geraume Zeit steht“, freute sich Zulehner. Die Weltkirche erlebe derzeit ein neues Pfingsten. Am Abend davor habe Franziskus in einer Pfingstpredigt bemerkt: „Es ist der Geist, der uns von jeder diözesanen ‚Neustrukturierung‘ erlösen wird.“ Wie berichtet, soll rund um die Basilika am Weizberg ein Pilgerzentrum für Suchende entstehen, als Sieben-Jahres-Projekt.

Als Beispiel für das Wehen des Geistes in der bisher stagnierenden Weltkirche nannte Zulehner die Synode der Bischöfe aus dem Amazonasgebiet im heurigen Herbst. In der Arbeitsunterlage liegen auch „mutige Vorschläge“ etwa „für die Weihe von verheirateten gemeindeerfahrenen Personen“. Der Pastoraltheologe formulierte: „Das Ende des Priestermangels ist nahe. Es nimmt seinen Ausgang nicht in Rom, sondern im Regenwald Amazoniens.“ Von dorther könne dieses Ende all jene Kirchengebiete erfassen, welche „unter einem eucharistischen Hunger leiden“.

Klagend sagen wir, „Gott ist für viele Luft“. Zulehner liest heraus: „Diese Luft ist unser Leben.“ Gott sei in allem gegenwärtig. Als Beispiel dafür, dass durch das Wirken Gottes durch uns „jetzt schon ein Stück Himmel auf die Erde kommt“, erwähnte er die „Prophetin Greta Thunberg mit den vielen endlich revolutionären Schülerinnen und Schülern der ‚Fridays for Future‘, die uns säumigen Er-wachsenen in der Frage des Klimaschutzes ge-hörig ins Gewissen reden“.JOHANN A. BAUER



„Connected“ statt perfekt

Nach dem US-Mystiker Richard Rohr sei es nicht nötig, moralisch perfekt, sondern „to be connected“, verbunden zu sein. Der Heilige Geist wirke für alle, nicht als „evacuation plan“ (Rettungsplan) für wenige Erlöste, so Zulehner.




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