© Foto: United Artists

„Ich bin bei euch alle Tage!“ Max von Sydow verkörpert Jesus in dem US-amerikanischen Monumentalfilm „Die größte Geschichte aller Zeiten“ aus dem Jahr 1965. Neben ihm spielten Charlton Heston, Sidney Poitier und John Wayne. Trotz dieses Staraufgebots wurd - Foto: United Artists

Die Welt einverleibt

Christi Himmelfahrt - von Alfred Jokesch

 

Der monumentale Filmklassiker „Die größte Geschichte aller Zeiten“ endet mit der Himmelfahrt Christi. Da erscheint der Auferstandene den Jüngern wie eine überlebensgroße transparente Projektion am Horizont, um mit weit ausgebreiteten Armen die ganze Erde zu umfassen. Untermalt von der triumphalistischen Orchestrierung des Händel-Halleluja spricht er die letzten Worte des Matthäus-Evangeliums: „Seht, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Ich gebe zu, die filmische Umsetzung dieser Szene ist an Pathos kaum zu übertreffen. Wenn auch die Bilder kitschig sind, spricht mich doch der Gedanke, die theologische Idee dahinter an. Himmelfahrt bedeutet demnach nicht, dass Jesus emporschwebt und sich aus der Welt entfernt. Eine solche Interpretation geben ja viele Darstellungen dieses Geschehens in der Kunstgeschichte. Hier wird die Himmelfahrt Jesu so gedeutet, dass er sich gleichsam ausdehnt, größer wird und zu jenem kosmischen Christus heranwächst, der die ganze Welt in sich aufnimmt. Jesus hat sich in seiner Himmelfahrt die Welt einverleibt.

Wir können den erhöhten, in den Himmel aufgenommenen Christus nicht mehr sehen. Aber nicht, weil er sich von uns entfernt hat und in den Wolken entschwunden ist, sondern weil er uns in seinen mystischen Leib aufnimmt, weil wir in ihm sind. Wir sehen ihn nicht, so wie ein Fisch das Wasser nicht sieht, in dem er schwimmt. Die Gestalt des in den Himmel aufgenommenen Christus wandelt sich zur spirituellen Gegenwart in den Herzen der Menschen.

Die Himmelfahrt Jesu beendet nicht seine Gemeinschaft mit uns, sondern vertieft sie sogar noch. Sie schafft eine bleibende Verbindung zwischen Gott und den Menschen; eine, die uns das Leben leichter macht – schwebend leicht und dennoch mit beiden Beinen fest am Boden der Wirklichkeit.

Immerhin meldet sich da auch noch zu ebener Erde eine Stimme zu Wort, die den ratlosen Jüngern zuruft: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Sie sollen nicht Jesus nachtrauern, der von ihnen fortgeht. Hier, zu ebener Erde spielt sich das Leben ab. Hier ist Jesus auch weiterhin bei uns. Hier ist der Platz, an den Gott uns gestellt hat und an dem wir Christen miteinander und füreinander da sein sollen. Als Glieder seines Leibes sollen wir Christus verkörpern und seine Gegenwart hinaustragen in die Welt und für alle spürbar machen.

Unser Glaube lässt keinen Rückzug aus dieser Welt in eine rein innerliche Frömmigkeit zu, wo ich mit Gott allein bin und mich niemand anderer mehr etwas angeht. Der Glaube muss auch geerdet und fest im alltäglichen Leben verankert sein. Dafür ist ein reifer, erwachsener Glaube notwendig. Daher ist es für die Jünger auch gut, dass Jesus fortgeht. Sie müssen nun selbstständig werden und lernen, dass sie die Nähe zu Gott in sich selbst finden können.

Alfred Jokesch

 




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