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Ein gemeinsames Essen und davor eine Begegnung mit Bischof Wilhelm Krautwaschl zeigte den Patinnen und Paten aus der ganzen Steiermark den Dank der Diözese, brachte ihnen aber auch Freude am Zusammensein vieler, die Herzblut für die gemeinsame Sache.... - Foto: Neuhold

Der Pate, mein älterer Bruder

Bei einem „Durchhänger“ 
vertrauen Jugendliche auf Arbeitsuche, mein „Pate“ lässt mich nicht hängen. Der Fonds für Arbeit und Bildung koordiniert die Begleitung.

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Beim Wegfahren von Graz nach Bruck an der Mur wünscht jemand „viel Spaß“. Die Begegnung mit zwei ehrenamtlichen „Paten“ für arbeitsuchende junge Erwachsene und der Koordinatorin dieses Projekts vom Fonds Arbeit und Bildung der Diözese wartet. Aber hat Arbeitslosigkeit mit Spaß zu tun?

„Ich habe immer Spaß und wünsche jedem viel Spaß“, meint Karl-Heinz Bachler, einer der Gesprächspartner im Pfarrhof Bruck. Er hat fünf Kinder und ist auch Großvater. Seine Frau ist Kindergartenpädagogin. Beruflich ist er Versicherungskaufmann und hat als Selbstständiger einen Ton- und Lichtanlagenverleih. Ihm gegenüber sitzt Harald Wandjura. Er ist seit 43 Jahren mit Monika verheiratet und in Pension; er war Einzelhandelskaufmann für den An- und Verkauf von festen Brennstoffen. Beide sind seit einigen Jahren „Paten“. Ihren Einsatz für junge Menschen unterstützt die Psychologin Mag. Ute Bischof.

„Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis das Vertrauen aufgebaut war“, schildert Wandjura über einen Jugendlichen aus Afghanistan, den er zuletzt, nach einigen gebürtigen Österreichern, begleitete. Erst dann habe dieser erzählt, warum er habe flüchten müssen. Einem Onkel sei der Kopf abgeschlagen und neben ihn hingelegt worden. Die Familie der Jugendlichen spiele eine große Rolle. Oft fehlen Rückhalt und Konsequenz. Mag. Bernhard Schwarzenegger, Geschäftsführer des Fonds für Arbeit und Bildung, sieht eine Aufgabe der Paten darin, Jugendlichen zu zeigen, „dass es andere Lösungsmöglichkeiten gibt, als sie von daheim kennen“.

Sehr geduldig müsse man sein, erlebt die Psychologin Ute Bischof. Bachler illustriert, zum Vorstellungsgespräch in einem Lebensmittelgeschäft in Graz sei ein Jugendlicher mit einer Hose gekommen: „Wenn ich daheim ausmale, ist sie danach schöner.“ Also sei er mit dem Burschen vor dem Termin schnell ins Kleidergeschäft eine neue Hose kaufen gegangen.

„Kneten muss man den Ball, wenn man eine Chance sieht“: So beschreibt Wandjura, warum er öfter einen Jugendlichen länger als die vorgesehenen drei Monate begleite. „Wir bleiben zusammen, weil wir beide das Ziel noch nicht erreicht haben, das wir uns gesteckt haben“, schildert Bachler.

Mit welcher Rolle ist ein Pate in diesem Projekt vergleichbar? „Nicht der Vater, eher der ältere Bruder“, erwägt Karl-Heinz Bachler. Eine begleitende Rolle habe der Pate, ergänzt Harald Wandjura; „der Jugendliche schenkt mir Vertrauen, damit wir gemeinsam ein Ziel erreichen“. Das könne auch bedeuten zu erkennen, dass ein eingeschlagener Weg nicht der passende sei; so wähle der Jugendliche vielleicht einen anderen Beruf.

Stütze zu bleiben sei bei „Durchhängern“ entscheidend, erleben die Paten. Dann können die Begleiteten „durchtauchen“ und brechen eine Lehre oder Schulausbildung nicht ab. Pate sei er geworden, um etwas weiterzugeben, was er in seiner Jugend selbst empfangen habe, erzählt Bachler. „Es bewegt sich etwas“, sieht Harald Wandjura in seinem „Patenamt“, und „es ist sehr viel Positives zurückgekommen“.

Es gehe ihm „an die Substanz“, gesteht Bachler, was die derzeitige rechtliche Lage bezüglich Aufenthaltsgenehmigung betreffe: Er begleite derzeit einen Jugendlichen aus Afghanistan, der gerade seinen Schulabschluss nachhole. Er „möchte unbedingt da bleiben und eine Lehre machen, aber er darf nicht“. Dabei brauche die Wirtschaft diese willigen Menschen.

JOHANN A. BAUER

 



Kirche und Kontonummer

Die Kirchensammlung für den Fonds für Arbeit und Bildung ist den steirischen Pfarren empfohlen bzw. freigestellt. Spenden für den „Fonds“ sind möglich: Raiffeisen-Landesbank Steiermark, IBAN: AT58 3800 0000 0027 7111.

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