© Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Herbert Meßner, Chefredakteur - Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Das doppelt geputzte Krankenzimmer

 

 

Ein 18-Jähriger liegt im Wachkoma. Sein Vater bleibt bei ihm am Krankenbett im Spital. Während der Vater einmal für eine Rauchpause nach draußen geht, putzt der für die Reinigung zuständige Luke das Krankenzimmer des 18-Jährigen, ohne dass der gerade nicht anwesende Vater das bemerkt. Als der Vater zurückkommt, sieht er Luke in das Zimmer daneben gehen und herrscht ihn an, es sei eine Gemeinheit, dass das Zimmer seines Sohnes nicht geputzt wird. Wortlos geht Luke ins Zimmer des Wachkomapatienten und putzt es ein zweites Mal.

Auf die Frage, warum er das gemacht und nicht klargestellt hat, dass das Zimmer ohnehin schon geputzt war, antwortet er später: Dass ich das Zimmer vor seinen Augen geputzt habe, war das, was dieser leidgeprüfte Vater gerade in diesem Moment gebraucht hat.

Das ist Lebenskunst, meinte dazu der Theologe und Philosoph Clemens Sedmak, der diese Geschichte im Rahmen des Jubiläumsfestes 100 Jahre Bildungshaus St. Martin erzählte. Und damit jene Lebenskunst ansprechen wollte, um die es gehen muss, wollen wir Bildung nicht zu eng als Wissensvermittlung sehen.

Woher nehmen wir Lebenskunst und Lebensweisheit? In letzter Zeit haben mir manche in Gesprächen von ihrem Religionsunterricht erzählt, der ihnen Wissen über ihren Glauben, aber auch Lebenswissen vermittelt hat. Unser Glaube gibt uns Grundwerte und Grundeinstellungen. Aber auch, nach dem Beispiel Jesu, den Blick für das, was der Mensch vor mir gerade jetzt braucht.

 




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