© Gerd Neuhold, SONNTAGSBLATT

Die Hymne an ein Schloss brachten unter der Leitung des Komponisten Franz Herzog der Singkreis St. Martin und der Landesbedienstetenchor - Gerd Neuhold, SONNTAGSBLATT

Begegnen, begeistern, bilden

Im Schloss St. Martin bei Graz wird seit 100 Jahren Bildung und Lebenskultur für Herz, Hand und Hirn vermittelt an einem Ort für Begegnung, Kunst und Diskussion.

 

 

Am Anfang des Geburtstagsfestes von St. Martin intoniert Bertl Mütter die Europahymne. Am Ende singen alle die steirische Landeshymne. Österreichs ältestes Bildungshaus, zu dessen 100. Geburtstag sich am 14. Juni viele Gratulantinnen und Gratulanten eingefunden haben, ist wahrhaft eine steirische Initiative von europäischem Format. Rund 1300 Veranstaltungen mit etwa 30.000 Teilnehmenden finden hier jährlich statt. Es geht um Erwachsenenbildung, Familienbildung, Kunst, Kultur und Diskurs über Zeitfragen. Von einem guten Ort für Bildung, einem Denk- und Begegnungsraum, wo Demokratie gelernt wird, spricht Anna Thaller, seit 2013 Direktorin des Hauses.

Landesrat Johann Seitinger nennt drei Dinge, die besonders mit St. Martin zu tun haben: Erstens das St. Martiner Kochbuch, diese bereits in 24. Auflage erschienene „Bibel“ der steirischen Küche. Zweitens das Bildungshaus, das für lebenslanges Lernen steht. Und drittens St. Martin als Haus der Begegnung, gerade auch für Kunst und Kreativität. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl spricht von Bildung mit Begeisterung als einem Markenzeichen des Hauses.

Am Anfang der 100-jährigen Geschichte von St. Martin stand das wache Gespür eines in der Oststeiermark wirkenden obersteirischen Priesters. Josef Steinberger (1874–1961)stammte aus Aichdorf bei Fohnsdorf. Speziell in seiner Zeit als Kaplan in Stubenberg erlebte er die große materielle Armut der ländlichen Bevölkerung, Mangel an Schulbildung und an Wissen über Hygiene und Ernährung. Ihm wurde klar, dass Bildung der Ausweg ist. Und, revolutionär für die damalige Zeit – er setzte bei der Bildung der Frauen an, deren entscheidende Rolle er erkannte. Nach der Einrichtung von Kursen fand er nach dem Ersten Weltkrieg in St. Martin den Ort für sein Werk. Das Schloss auf dem Kehlberg war im Besitz des Stiftes Admont und wurde 1936 an das Land Steiermark abgetreten. Von St. Martin aus wurden im ganzen Land Schulen gegründet, die bis heute neben fachlichen und hauswirtschaftlichen Kenntnissen viel Lebenskultur vermitteln. Steinberger ging auch in die Politik, um sein Werk voranzutreiben. Nach 1945 konnte er das zwischenzeitlich von den Nationalsozialisten für ihre Zwecke okkupierte und dann durch Bombentreffer zerstörte St. Martin nach Wiederaufbau wieder „im Sinne des Erfinders“ führen.

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer hat St. Martin schon als junger Politiker in der Amtszeit von Wilhelm Kahlbacher (Direktor 1961–1986) erlebt als Ort erfrischender Diskussionen mit Persönlichkeiten aus verschiedensten Geisteswelten. In seiner Festrede zeigt er sich erfreut über Gespräche mit jungen Menschen, bei denen es um die Zukunft geht. In einer Welt, die manchmal wie ein großer Krisenherd erscheint und in der oft die eigene Befindlichkeit ganz oben steht, ist St. Martin ein Ort, wo es um Werte geht und um Erziehung zu einem Leben, das die Herausforderungen von heute und morgen bewältigen kann.

Herbert Meßner

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